Sind autonome Fahrzeuge ein Klimarisiko?
Autonome Fahrzeuge könnten nicht nur Jobs gefährden, sondern vielmehr auch zu einem «Klimarisiko» werden. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR).


Der Weg scheint vorgezeichnet – zumindest wenn es nach den Verkehrsexperten geht: Die Mobilität dürfte in den kommenden Jahren (und Jahrzehnten) zunehmend einen höheren Grad der Automatisierung bis hin zu vollständig autonom fahrenden Fahrzeugen erreichen – auch in der Schweiz: Bereits 2019 haben BERNMOBIL, die Stadt Bern, Energie Wasser Bern und die Migros Aare deshalb gemeinsam einen Versuchsbetrieb mit einem selbstfahrenden Fahrzeug in der Stadt Bern durchgeführt. Das Fahrzeug kam zwischen dem Bärenpark und der Talstation der Marzilibahn im öffentlichen Verkehr zum Einsatz.
Revisionspaket für automatisiertes Fahren
Nicht zufällig hat der Bundesrat am 12. August 2020 deshalb auch ein Revisionspaket in die Vernehmlassung geschickt, welches dieser Entwicklung Rechnung trägt: «Die Assistenzsysteme der Fahrzeuge», so das Bundesamt für Strassen in seiner Medienmitteilung (vgl. https://www.astra.admin.ch/astra/de/home/dokumentation/medienmitteilungen/anzeige-meldungen.msg-id-80041.html), «werden laufend verbessert. Künftig wird es möglich sein, mit einem Auto zu fahren, ohne dass die Lenkenden das Fahrgeschehen permanent überwachen müssen. Um auf solche Entwicklungen rasch reagieren zu können, soll der Bundesrat im Strassenverkehrsgesetz (SVG) neu die Kompetenz erhalten, die konkreten Regelungen auf Verordnungsstufe zu erlassen. Zudem werden die Rahmenbedingungen festgelegt, die der Bundesrat in Ausübung seiner Kompetenz zu beachten hat. Mit der Revision wird zudem eine rechtliche Basis geschaffen, damit das Bundesamt für Strassen (ASTRA) Versuche mit vollautomatisierten Fahrzeugen auf öffentlichen Strassen bewilligen kann. Mit solchen Tests können wichtige Erkenntnisse gewonnen werden.»
Kritik an Automatisierung kommt auf
Doch nun kommt weitere Kritik an der Automatisierung der Mobilität auf: Selbstfahrende Fahrzeuge könnten einer Studie zufolge Klimavorteile auffressen. Ohne gezielte politische Steuerung drohe eine zunehmende Motorisierung mit weiterem Anstieg des Energie- und Flächenverbrauchs, heisst es in einer Analyse des Instituts für Verkehrsforschung am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) für den Thinktank Agora Verkehrswende.
Das Hauptrisiko ist gemäss den Studienautoren «die steigende Attraktivität des Individualverkehrs auch für neue Zielgruppen. Automatisierte Fahrzeuge könnten vermehrt leer herumfahren und Pendler zu längeren Strecken bereit sein, weil sie die Fahrzeit zum Arbeiten oder Ausruhen nutzen können. Das würde zu noch grösserer Zersiedelung führen.» Im schlimmsten Fall entstehe eine separate Infrastruktur für automatisierte Fahrzeuge, die Rad- oder Fusswege einschränkt – so die Befürchtung.
Automatisierung bietet aber auch Chancen
Dennoch: Gerade verteufeln wollen die Studienautoren den Fortschritt nicht. Die Automatisierung berge auch Potenziale: «Schätzungen zufolge könnte ein öffentlich genutztes Fahrzeug an einem Tag die Fahrten von bis zu elf Privatfahrzeugen übernehmen. Effizienzvorteile wie das Fahren mit einheitlichem Tempo und geringen Abständen liessen sich aber erst bei einem hohen Anteil automatisierter Fahrzeuge realisieren.»
Quelle : https://www.finanzen.ch/nachrichten/aktien/studie-autonomes-fahren-birgt-klimarisiko-1029476851